Warum Martin Luther den Menschen ‚auff das Maul‘ sah

Stadtkirchengespräch mit Germanist Jörg Zimmer
Stadtkirche Moers, 19:30 Uhr

Für Martin Luther war die Art, wie die Menschen auf der Straße und im Haus sprachen, immens wichtig. Denn als er sich nach seinem Thesenanschlag öffentlich gegen Papst und Kirche stellt, steht er vor einem Problem: Welcher Sprache soll er sich bedienen? Wie sollen ihn die Menschen verstehen, die er für ein neues Verständnis des Wortes Gottes gewinnen will? Der Germanist und Prädikant Jörg Zimmer ist diesen Fragen für seine Dissertation zu Funktion und Bedeutung von Sprichwörtern bei Martin Luther nachgegangen. Im Stadtkirchengespräch am Donnerstag, 13. November, berichtet er unter dem Titel „Warum Luther den Menschen ‚auff das Maul‘ sah“ von seinen Ergebnissen.
Gottes Wort kannten die Menschen lange Zeit nur auf Latein oder aus schwer verständlichen Übersetzungen. Dazu kommt, dass mehr als 90 Prozent der Leute zu Beginn des 16. Jahrhunderts gar nicht lesen können. Zudem sprechen sie eine Vielzahl von Dialekten, „also daß die Leute in 30 Meilen Wegs einander nicht wol können verstehen“, wie Luther in einer seiner Tischreden sagt. Schlechte Voraussetzungen also, um in der Bibel eine frohe Botschaft zu entdecken. In einem immensen Kraftakt übersetzt Martin Luther zusammen mit Freunden und Mitarbeitern die Bibel in ein zu Herzen gehendes Deutsch mit starken Sprachbildern.