Monatsgruß September 2026

Liebe Lehrerinnen und Lehrer, liebe Schulleiterinnen und Schulleiter, liebe Lesende,

der Gruß aus unserem Schulreferat Duisburg/Niederrhein erreicht Sie bewusst zur zweiten Schulwoche. Ich hoffe, Sie sind gut wieder im Alltag angekommen. Wie für Schülerinnen und Schüler, braucht es nach den Sommerferien Zeit, bis die Neuen angekommen sind und Lerngruppen und Lehrkräfte wieder zueinander gefunden haben.
Wie kann es gelingen, dass Schule im Schuljahr 2026/27 als ein Ort erfahren wird, an dem jede Schülerin, jeder Schüler und jede und jeder Mitarbeitende willkommen ist? Wie können alle Mitglieder der Schulgemeinschaft in ihrer Differenz anerkannt und als Vielheit ernst genommen werden? Neben der Aufgabe, Heranwachsende beim Lernen von Fachinhalten zu unterstützen, beschreibt das Land NRW Demokratie als Entwicklungsaufgabe für die ganze Schule.
Wie wichtig diese Aufgabe ist, machen die Wahlergebnisse aus Sachsen-Anhalt nur allzu deutlich. Am Tag nach der Wahl fällt es mir nicht leicht, in der Bibel Orientierung zu finden, die den Raum für alle Menschen in ihrer Vielheit offen hält. Bei der Suche bin ich auf ein Wort des Apostel Paulus an die Gemeinde in Rom gestoßen:
Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt. Denn wer den anderen liebt, der hat das Gesetz erfüllt […] das wir in diesem Wort zusammenfassen: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung. (Römer 13, 8.10)
Was bedeutet es, dass die Liebe dem anderen nichts Böses tut? Letzte Woche erreichte uns ein Brief von Franz Rigert, dem Vorsitzende der Wisconsin Conference UCC. Sein Brief richtet sich an die Mitglieder unserer Partnerkirche United Church of Christ (UCC) und deren Freundeskreis. Franz Rigert erinnert in einem polarisierten Umfeld in den USA an die Spaltungsversuche in der frühchristlichen Gemeinde in Rom: Vor dem Hintergrund unterschiedlicher Traditionen und Kulturen drohte die junge Gemeinde auseinanderzubrechen. „Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses“, schreibt Paulus an die Mitglieder der Gemeinde in Rom. „Wenn Jesus die Verkörperung der Liebe ist und wenn wir danach streben, diese Liebe anzunehmen und zu verkörpern, hat das immense Auswirkungen auf unser Handeln in Bezug auf Offenheit und Inklusion“, schreibt Franz Rigert an die Christinnen und Christen in Wisconsin und in der Welt. „Den Fremden willkommen zu heißen, den Armen zu helfen, die Gebrochenen zu trösten, den Obdachlosen Zuflucht zu gewähren, den Hungrigen zu speisen, ethnische und rassische Vielfalt anzunehmen und Menschen zu lieben, unabhängig von ihrem Geschlecht oder ihrer sexuellen Orientierung. Das ist eine Liebe, vor der sich Christen allzu oft zurückziehen.“ Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses – das meint, unabhängig von Geschlecht, sozialem Status, Gesinnung und Nationalität in jedem Menschen den Nächsten zu erkennen. Eine solche Liebe kennt keine Grenzen der nationalen Zugehörigkeit, Leistungsfähigkeit, Fitness oder Schönheit. Jeder Mensch zählt.
Die Motivation mag unterschiedlich sein, warum in Schule und in christlichen Gemeinden sich Menschen gegen Polarisierung und Spaltungsversuche widersetzen und dazu beitragen, dass Vielheit gelebt werden kann. Ich danke allen, die sich in den Schulen dafür einsetzen, dass Individualität und Differenz geachtet und als Herausforderung angenommen werden. Dafür, dass Demokratie gestärkt wird, wollen wir mit unseren Angeboten im Schuljahr 2025/26 einen Beitrag leisten – durch Fortbildungsangebote für den Religionsunterricht und bei der Schulentwicklung. Wir freuen uns auf Begegnung und Diskurs mit Ihnen!

Im Namen des Teams im Ev. Schulreferat Duisburg/Niederrhein grüßt Sie Annette Vetter