Monatsgruß Oktober 2024

Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, spricht der Herr, und nicht auch ein Gott, der ferne ist?                                                  Jeremia 23,23

Liebe Lehrer:innen, liebe Lesende,

der Monatsspruch aus dem Buch des Propheten Jeremia ist dem Monat September zugeordnet. Der Vers erreicht mich in diesen letzten Tagen des Septembers und im Zugehen auf den Monat Oktober in meiner Gegenwart.

In dieser Gottesrede meldet sich Gott selbst zu Wort und erinnert an die Unverfügbarkeit Gottes. Im Hintergrund steht die Kritik des Propheten Jeremia am Wunsch von Menschen, Gott möge für die eigenen Belange, für die Fragen und Nöte des Lebens, nach ihren eigenen Vorstellungen zur Verfügung stehen. Doch Gott lässt sich nicht durch Forderungen und Vorstellungen von Menschen begrenzen. Vielmehr fordert dieser Gott, der da spricht, uns heraus, eigene Vorstellungen und Erwartungen zu überprüfen und die Souveränität Gottes anzuerkennen.

Es gibt Zeiten, da fällt es mir besonders schwer, mich den Herausforderungen eines solchen Gottesbildes zu stellen. So wie in dieser Woche, in der mich die Nachrichten vom Unfalltod von Schüler:innen aus unserer Region Duisburg/Niederrhein erreicht haben und umtreiben. Viele haben vom schrecklichen Unglück gelesen oder gehört, das sich auf einer Klassenfahrt in der Toskana zugetragen hat. Die Betroffenheit und Trauer an der Schule ist groß. Unsere Anteilnahme ist bei den Eltern und Geschwistern, bei Mitschüler:innen und Lehrer:innen sowie der ganzen Schulgemeinde.

Wo bist du, Gott? Diese Frage treibt mich um, wenn ich an das tragische Schicksal der beiden Schülerinnen denke oder an das Unglück der Familien am Niederrhein, denen ebenfalls ein Kind genommen wurde.

Wo bist du, Gott? Diese Frage treibt Menschen zu allen Zeiten um. Und während manche im Unglück und Leid klagen, dass kein Gott ist in dieser Welt, finden andere darin Trost, dass Gott auch dann uns Menschen nahe ist, wenn Gott uns ferne und abwesend erscheint. Menschen ringen mit Gott und fordern Gott heraus, uns nahe zu sein. Immanuel – Gott ist mit uns, so lautet die Verheißung, die Jesaja seinem Volk gegeben hat. Christ:innen glauben, dass diese Verheißung mit der Geburt von Jesus eingelöst worden ist. Gott ist uns in Jesus so nah gekommen, wie ein Gott uns Menschen überhaupt nur nahe kommen kann: Gott ist selbst Mensch geworden und hat das Leben und den Tod mit uns Menschen geteilt.

Wo bist du, Gott? Oft genug ringe ich um Gott um Nähe, um Trost, um Unterstützung und Hilfe für mein Leben. Und auch wenn es nicht immer gelingt, möchte ich der Verheißung trauen und auf die Erfahrungen vertrauen, das Gott im Leben und im Tod uns Menschen nicht verlässt.

Falls Sie sich Zeit nehmen möchten, ihren eigenen Gedanken nachzusinnen, lade ich Sie herzlich ein, sich dabei das Lied Wo bist du, Gott? von Songs of Peace anzuhören.

Herzliche Grüße im Namen unseres Teams im Schulreferat Duisburg/Niederrhein,

Ihre Annette Vetter