Monatsgruß Februar 2026

  • Annette Vetter

Hüte dich nur und bewahre deine Seele gut, dass du nicht vergisst, was deine Augen gesehen haben,und dass es nicht aus deinem Herzen kommt dein ganzes Leben lang. (5 Mose 4,9a)

Liebe Lehrer:innen, liebe Lesende,
der Tag des Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar, liegt hinter uns. In vielen Schulen hat der Tag einen gewichtigen Ort im Schulleben: bei Kranzniederlegungen, in Lesungen, in Gebeten erinnern Schüler:innen und bringen Schulgemeinden Unverständnis und Klage vor Gott. In Begegnungen mit Zeitzeug:innen hören sie deren Erinnerungen, erahren, was es bedeutet, Opfer von Ausgrenzung, fehlender Anteilnahme, Verfolgung oder Mord zu werden. Die Zeitzeugin Eva Weyl wird nicht müde, in vielen Schulen unserer Region von ihrer Vertreibung aus Deutschland und ihrer Inhaftierung als Kind Westerbork zu erzählen, Tova Friedman hat in ihrer Rede im Bundestag eindrucksvoll darüber gesprochen, was die Kindheit im KZ Auschwitz für sie und andere bedeutet hat und bis heute bedeutet. [1]

Das Gesehene erinnern
In 5. Mose 4,9 hört das Volk Israel Gottes Weisungen. „Vergesst nicht, wenn ihr ins gelobte Land kommt, was ihr gesehen habt und was euch am Leben erhält.“ Der Text erinnert daran, dass Israel nur durch Gottes Wort und durch Gottes Handeln das ist, was es ist.

Die Seele bewahren
Der Vers aus dem 5. Buch Mose beansprucht Verbindlichkeit. Wer auf Gottes Wort hört, wer seine Seele bewahren will, darf nicht vergessen, was Leben hindert und was Leben fördert. Aus dieser grundlegenden Glaubensüberzeugung heraus setzten sich Christ:innen auch heute dafür ein, dass nichts und niemand vergessen wird, und treten für die ein, deren Lebensrechte eingeschränkt werden sollen.

Das Entscheidende tun
Gedenken darf nicht nur an einem Tag im Jahr stattfinden. Gedenken fordert vielmehr dazu auf, das Entscheidende zu tun – im ganzen Jahr, das ganze Leben lang. Es soll nicht aus dem eigenen Herzen kommen, dass jeder Mensch Geschöpf Gottes und die Menschenwürde unverletzbar ist.

Aus dieser Überzeugung gehen Christ:innen der UCC, unserer Partnerkirche in den USA, in diesen Tagen auf die Straße und protestieren in Minneapolis gegen das Vorgehen von ICE-Beamten. Aus dieser Haltung heraus treten Christ:innen gegen Antisemitismus, Rassismus und andere Formen von Ausgrenzung ein.

Herzensgüte fördern
Der Begriff ist altertümlich, so wie die Sprache des Bibelverses. Was gemeint ist, ist gerade heute von besonderer Dringlichkeit: Damit Heranwachsende mündige Bürger:innen werden und Verantwortung für sich, ihr Umfeld und diese Welt tragen können, braucht es die Bildung des Herzens. Der Religionsunterricht bietet einen besonderen Lern-Raum. Hier können Schülerinnen und Schüler lernen, was es heißt, zu erinnern und aus der Erinnerung heraus für Menschlichkeit und Lebensmut einzustehen.

Wir im Schulreferat unterstüzen Sie gerne bei dieser wichtigen Aufgabe – in unseren Fortbildungen, bei Besuchen in Ihrer Fachschaft und Schule, im persönlichen Gespräch.
Herzliche Grüße,
im Namen unseres Teams im Ev. Schulreferat Duisburg/Niederrhein,
Annette Vetter

AV-Studio Kleve befragt Eva Weyl: https://www.kleveblog.de/holocaust-gedenktag-av-studio-kleve-befragt-zeitzeugin-eva-weyl/

Tova Friedman Rede in der Jüdischen Allgemeinen: https://www.juedische-allgemeine.de/juedische-welt/mama-wo-sind-all-die-menschen/