Dann betete Hanna und sagte: Es frohlocke mein Herz in der Heiligen.
Mein Mund ist aufgetan gegen die, die mir feind sind, denn ich freue mich deiner Hilfe.
Die Bogen der Helden zerbrechen,
die Strauchelnden rüsten sich mit Stärke.
Die Satten müssen sich um Brot verdingen,
und die Hungrigen kommen zur Ruhe.
Die Heilige beraubt und bereichert,
erniedrigt und erhöht,
erhebt Arme aus dem Müll,
um sid an die Seite Edler zu setzen.
Einen Ehrenplatz gibt ihnen die Heilige zu eigen.
Auszug aus 1. Samuel 2, 1-8
Liebe Leser:innen,
in den Straßen der Städte blinken die Lichter, Weihnachtsmärkte laden zum Verweilen bei Glückwein und anderen Leckereien ein. Menschen stehen zusammen, genießen die gemeinsame Zeit, setzen der kalten und dunklen Jahreszeit Orte der Begegnung und Gemütlichkeit entgegen – so auch in Berlin, wo ich aktuell Zeit Studienzeit verbringen darf. Nur zwei Straßen weiter vom Weihnachtsmarkt an der Sofienstraße hat ein Obdachloser unter den Lichtern einer Brücke sein Bett aufgeschlagen. Rund um seine Matratze liegen seine wenigen Habseligkeiten. Menschen gehen mit ihren Einkaufstüten an ihm vorbei. Nur selten bringt eine Passantin oder ein Passant ein warmes Getränk.
Dann betete Hanna: Es frohlocke mein Herz, denn ich freue mich deiner Hilfe. Die Satten müssen sich um Brot verdingen, und die Hungrigen kommen zur Ruhe. Die Heilige richtet Geringe aus dem Staub auf, erhebt Arme aus dem Müll.
Wen erwarten wir im Advent? Und was erwarten wir?
Die Adventszeit richtet unsere Aufmerksamkeit auf prophetische Rede in der Bibel. mit ihren Hinweisen auf den, der kommt.
In der vergangenen Woche sind wir dieser Frage auf einem Schreibseminar mit Susanne Niemeyer in kreativer Form nachgegangen. Wir haben die Worte der Hanna gehört, auf dem Tisch lagen Seiten aus Zeitschriften, Worte, der Bibeltext. Die Aufgabe: Wie bringe ich das, was ich sehe, mit den Worten der Hanna zusammen? Wie lassen sich ihre Worte verdichten oder in unsere Sprache transformieren?
Mich hat die Auseinandersetzung mit dem Bibeltext in ganz anderer Form inspiriert. Die Welt in der Auswahl der Zeitungsseiten wahrnehmen – die Worte der Hanna lesen – die Fülle der Wörter aus Zeitschriften wahrnehmen: Wie erreicht mich im Advent 2025 die Botschaft der Prophetin?
Vieles hat sich in unserer Welt verändert seit der Zeit, als die Prophetin Hanna ihr Gebet gesprochen hat. Die Widersprüchlichkeiten sind geblieben: das Leiden von Menschen in den Kriegsgebieten dieser Welt, die Schere zwischen Arm und Reich, die ungerechte Verteilung von Ressourcen.
Wen erwarten wir im Advent? Und was erwarten wir?
Ein Wortschnipsel vom Tisch des Schreibseminars gibt eine Antwort, die nicht die einzige mögliche, und doch zugleich eine wichtige Antwort gibt: „Alle Beteiligten müssen sich permanent die Frage stellen, was sie tun können, damit es allen gut geht.“
Mit herzlichen Grüßen aus dem Schulreferat Duisburg/Niederrhein!
Ihre Annette Vetter

