Monatsgruß April 2026

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus.
In seiner großen Barmherzigkeit hat er uns neu geboren. Denn er hat uns eine lebendige Hoffnung geschenkt, weil Jesus Christus von den Toten auferstanden ist.
(1. Petrus 1, 3 BB)

Liebe Leserin, lieber Leser,
was es heißt, darauf zu vertrauen, im Glauben an Gott neu geboren werden, zeigt das Historienmusical The Testament of Ann Lee (2025) in eindrücklichen Bildern. Die Regisseurin Mona Fastvold inszeniert im Film das Leben der 1736 in Manchester geborenen Gründerin und Urmutter der Shaker, einer aus den Quäkern erwachsenen Glaubensgemeinschaft. Wegen des Vorwurfs der Blasphemie flüchten Ann Lee und eine Gruppe von Shakern 1774 nach Amerika.
Wie die meisten Menschen ihrer Zeit, lebt Ann Lee in ärmlichen Verhältnissen. Zunächst als Weberin, dann als Köchin trägt sie schon früh zum Familienunterhalt bei. In den engen Wohnverhältnissen der Familie wird sie unfreiwilligen Zeugin von sexualisierter Gewalt ihres Vaters gegenüber ihrer Mutter. Ann Lee erfährt ein ähnliches Schicksal: Gegen ihren Willen verheiratet, bringt sie vier Kinder zur Welt. Keins der Kinder überlebt das erste Lebensjahr.
Die Vision einer utopischen Kommune
Doch Ann Lee kann sich aus den engen Ordnungen ihrer Zeit befreien. Mit ihren Visionen und Idealen einer charismatischen Erweckungsbewegung erreicht sie Menschen, die wie sie auf Erneuerung hoffen. Diese erkennen in Mother Ann den weiblich wiedergekehrten Jesus. In Tanz und Ekstase, beides gleichermaßen Ausdruck von Gebet und Glaubensbekenntnis, finden sich die sogenannten Shaker neu. Der Film zieht Zuschauende mit hinein in eine Welt voll von spiritueller Erfahrung. Die streng rhythmisierten, archaischen Choräle und ekstatischer Tanz sind zugleich Mittel zu und Ausdruck von Befreiung der Seele und Befreiung zu Gott. Gewaltfreiheit, Abolitionismus, Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie sexueller Enthaltsamkeit sind grundlegende Überzeugungen der Shaker-Bewegung.
Der wahrscheinlich irritierendste Film des Jahres als Zugang zur irritierendsten Glaubensbotschaft der Auferstehung Jesu
Mona Fastvold lädt ein zu einer besonderen Kino-Erfahrung. Sie konzipiert ihre Auseinandersetzung mit Ann Lee als Historiendrama, das keinen Blick von außen zulässt, sondern Zuschauende mit hinein nimmt: Schauen – sich den Rythmen aussetzen – Fremdheit zulassen – der Wirkung nachspüren. Dabei gelingt es Fastvold, Zuschauende weder zu schnell in die Distanz noch in Bewertung zu entlassen. Sie inszeniert die Sehnsucht nach Erlösung und konfrontiert mit einer starken Erlöserin. Beides wird zur Metapher für unsere Gegenwart. Denn die Wucht, mit der die Schauspielerin Amanda Seyfried Ann Lee verkörpert, geht nach: Welche Heilsgestalten braucht es, um Menschen zu erreichen, sie dem Alltag zu entreißen und wach zu rütteln für die Utopie eines anderen Lebens? Dass neues Leben möglich ist, ist auch die Kernbotschaft von Jesus von Nazareth.
Die Feier des Lebens
Die sonst religiösen Inhalten gegenüber eher distanziert eingestellte taz nennt den Film „eine sakralgleiche Feier des Kinos“. Sollte The Testament of Ann Lee in den Ostertagen in Ihrer Nähe im Kino gezeigt werden, so verspricht der Kinobesuch auch eine sakrale Auslegung der Osterbotschaft:
In seiner großen Barmherzigkeit hat Gott uns neu geboren. Denn er hat uns eine lebendige Hoffnung geschenkt, weil Jesus Christus von den Toten auferstanden ist.
Das Team des Ev. Schulreferat Duisburg/Niederrhein wünscht Ihnen spirituell erfüllende Ostertage!
Annette Vetter