Monatsgruß April 2025

Liebe Leser:innen,

Klimawandel, Kriege und Katastrophen wie das Erdbeben in Südostasien: multiple Krisen machen Schüler:innen mutlos und lassen Sorge und Ängste unter Erwachsenen wachsen. Wie können wir mit Sorge und Ängsten umgehen und Heranwachsende unterstützen?

Hinweis für den Umgang mit Angst findet sich in der Passions- und Ostererzählung bei Markus (Kap. 14-16). Jesus wendet sich in seiner Angst im Gebet an Gott und bittet seine Jünger: „Ich bin verzweifelt und voller Todesangst. Wartet hier und bleibt wach.“ Wenig später wird Jesus verhaften, seine Jünger lassen ihn im Stich und ergreifen die Flucht. Als Jesus am Kreuz hängt, sind es die Jüngerinnen, die bleiben, wenn auch aus der Ferne. Nach seinem Tod machen sich die Frauen auf und gehen zum Grab. Auch wenn sie zunächst vor Angst vor dem jungen Mann im offenen Grab fliehen, müssen sie schließlich doch ihre Angst überwunden und die Osterbotschaft weitererzählt haben. Nur so konnte sie sich verbreiten. – Im Gespräch bleiben, anderen zur Seite stehen, mit Gott reden, die Angst überwinden und der Hoffnung trauen: die Evangelien wollen Mut machen, sich der Angst zu stellen.

Weitere Hinweise für den Umgang mit  Angst gibt ein Gedicht von Mascha Kaléko (1907 – 1975). Überschrieben ist er mit dem Titel ‚Rezept‘. Doch es ist kein einfaches Rezept, das die Dichterin aufgeschrieben hat. Als Jüdin bekam Mascha Kaléko 1935 Schreibverbot und verlor damit ihre berufliche Grundlage, 1938 verließ sie mit ihrem Sohn und ihrem 2. Ehemann Deutschland. Nur so konnte sie der Verfolgung durch die Nationalsozialisten entkommen. Sie lebte Jahre in New York und in Jerusalem, geprägt von Gefühlen von Heimatlosigkeit und Entwurzelung. Und dennoch, allem zum Trotz, gibt Mascha Kaléko ein Rezept an die Hand, wie die Angst verjagt und zugleich die Wunder wach gehalten werden können. Ihr Rezept will Mut machen, vermeintliche Ansprüche auf Besitz und Lebensstil zu überprüfen und zu lassen. Zugleich stärkt es das Vertrauen ins Leben – und für mich auch auf Gott.

Rezept
Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
und der Anzug im Schrank.

Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.

Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muss, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.

Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
geht es um dich oder ihn.
Dein eignen Schatten nimm
zum Weggefährten.

Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruß mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
unter dem Dach im Einstweilen.

Zerreiß deine Pläne. Sei klug
und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
im großen Plan.
Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten.

Mascha Kaléko
aus: Die paar leuchtenden Jahre

Welche Zutaten helfen Ihnen, weniger Aufmerksamkeit der Angst und dem Wunder des Lebens mehr vertrauen zu schenken?

Mit herzlichen Grüßen aus dem Schulreferat Duisburg/Niederrhein!
Ihre Annette Vetter